Unter den Helmen glänzen die Locken

Datum: 13.06.2003

Quelle: Kölnische Rundschau

Swisttal-Odendorf. Aufgereiht stehen die neun Jugendlichen des Löschzuges Odendorf vor dem Löschgruppen-Fahrzeug LF 16 / TS. Jugendwart Pierre Snieders gibt die Anweisung zur Standard-Gruppenübung „Wasserentnahme aus offenem Gewässer mit Vornahme von 3 C-Rohren“, und sofort legen die Jugendlichen los.
Einer aus der ersten Reihe rollt einen Schlauch aus. Dabei verrutscht der Helm - und gibt halblange, hinten zusammen gebundene lockige Haare frei. Ah ja, offenbar ein „langmähniger Junge“, denn die Swisttaler Jugendfeuerwehr hat als vorletzte Wehr im Rhein-Sieg-Kreis neben Bornheim offiziell keine Mädchen. Aber ein Junge mit Namen „Jessica“?! Und siehe da, gleich neben Jessica steht Jasmin, wie der Aufnäher am „Blaumann“ verrät.
Jessica Greuel ist als erstes Mädchen offizielles Mitglied der Swisttaler Jugendwehr. Jasmin Kellershoffs Aufnahmeantrag liegt zur Unterzeichnung bei Wehrführer Stefan Schumacher. Und nicht nur das: Auch aus dem Löschzug Ludendorf liegen ihm drei Aufnahmeanträge von Mädchen vor, wie er gegenüber der Rundschau bestätigte. „Wir können uns den Mädchen nicht verschließen“, so Schumachers Kommentar. Zu verdanken ist diese Einsicht vor allem der Hartnäckigkeit der elfjährigen Jessica. Die Tochter des stellvertretenden Wehrführers und Odendorfer Löschzugführers Johannes Greuel hat die „vornehme Zurückhaltung“ der Verantwortlichen gegenüber dem weiblichen Nachwuchs mit steter Beharrlichkeit geknackt, indem sie immer wieder neue Aufnahme-Anträge einreichte. Den Löschgruppen war ein „Maulkorb“ verpasst worden, der dazu führte, dass nicht einmal die Löschgruppen untereinander von Existenz der „langmähnigen Jungen“ wussten. Bis sich Wehrführer Stefan Schumacher schließlich geschlagen gab. Wohl wissend, dass jedes Mädchen die Aufnahme nach dem Feuerschutz-Hilfeleistungs-Gesetz auch einklagen könnte. So klingen die Gründe, die unter der Hand für die bisherige „passive Haltung“ der Swisttaler gegenüber Mädchen in ihrer Jugendwehr genannt werden, auch nicht sehr überzeugend: Was ist mit der Aufsicht bei Lagern? Was ist mit sanitären Einrichtungen? Wird es nicht wegen der Mädchen Reibereien unter den Jungen geben? - Alles Fragen, die andere Wehren wie die Rheinbacher seit Jahren abgehakt haben.
Greuel und Snieders jedenfalls stehen der fortschreitenden Emanzipation in ihrer Jugendwehr positiv gegenüber: „Alle anderen Wehren haben durchweg positive Erfahrungen gemacht. Wieso sollte das bei uns anders sein?“ Die Mädchen werden jetzt „ganz normal“ an den Übungen und Gruppen-Abenden der Jugend-Feuerwehr teilnehmen, und was sie inzwischen können, werden sie am Sonntag beim „Spiel ohne Grenzen“ in Niederdrees zeigen.
von Gerda Saxler-Schmidt