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Swisttal-Odendorf.
Aufgereiht stehen die neun Jugendlichen des Löschzuges
Odendorf vor dem Löschgruppen-Fahrzeug LF 16 / TS.
Jugendwart Pierre Snieders gibt die Anweisung zur
Standard-Gruppenübung Wasserentnahme aus offenem
Gewässer mit Vornahme von 3 C-Rohren, und sofort
legen die Jugendlichen los. Einer aus der ersten Reihe rollt
einen Schlauch aus. Dabei verrutscht der Helm - und gibt
halblange, hinten zusammen gebundene lockige Haare frei. Ah ja,
offenbar ein langmähniger Junge, denn die
Swisttaler Jugendfeuerwehr hat als vorletzte Wehr im
Rhein-Sieg-Kreis neben Bornheim offiziell keine Mädchen.
Aber ein Junge mit Namen Jessica?! Und siehe da,
gleich neben Jessica steht Jasmin, wie der Aufnäher am
Blaumann verrät. Jessica Greuel ist als
erstes Mädchen offizielles Mitglied der Swisttaler
Jugendwehr. Jasmin Kellershoffs Aufnahmeantrag liegt zur
Unterzeichnung bei Wehrführer Stefan Schumacher. Und nicht
nur das: Auch aus dem Löschzug Ludendorf liegen ihm drei
Aufnahmeanträge von Mädchen vor, wie er gegenüber
der Rundschau bestätigte. Wir können uns den
Mädchen nicht verschließen, so Schumachers
Kommentar. Zu verdanken ist diese Einsicht vor allem der
Hartnäckigkeit der elfjährigen Jessica. Die Tochter
des stellvertretenden Wehrführers und Odendorfer
Löschzugführers Johannes Greuel hat die vornehme
Zurückhaltung der Verantwortlichen gegenüber dem
weiblichen Nachwuchs mit steter Beharrlichkeit geknackt, indem
sie immer wieder neue Aufnahme-Anträge einreichte. Den
Löschgruppen war ein Maulkorb verpasst worden,
der dazu führte, dass nicht einmal die Löschgruppen
untereinander von Existenz der langmähnigen Jungen
wussten. Bis sich Wehrführer Stefan Schumacher schließlich
geschlagen gab. Wohl wissend, dass jedes Mädchen die
Aufnahme nach dem Feuerschutz-Hilfeleistungs-Gesetz auch
einklagen könnte. So klingen die Gründe, die unter der
Hand für die bisherige passive Haltung der
Swisttaler gegenüber Mädchen in ihrer Jugendwehr
genannt werden, auch nicht sehr überzeugend: Was ist mit
der Aufsicht bei Lagern? Was ist mit sanitären
Einrichtungen? Wird es nicht wegen der Mädchen Reibereien
unter den Jungen geben? - Alles Fragen, die andere Wehren wie
die Rheinbacher seit Jahren abgehakt haben. Greuel und
Snieders jedenfalls stehen der fortschreitenden Emanzipation in
ihrer Jugendwehr positiv gegenüber: Alle anderen
Wehren haben durchweg positive Erfahrungen gemacht. Wieso sollte
das bei uns anders sein? Die Mädchen werden jetzt
ganz normal an den Übungen und Gruppen-Abenden
der Jugend-Feuerwehr teilnehmen, und was sie inzwischen können,
werden sie am Sonntag beim Spiel ohne Grenzen in
Niederdrees zeigen. von Gerda Saxler-Schmidt
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