|
Post-Lizenznehmer
aus Bonn und der Region trefen sich zur Krisensitzung - Die
Geschäftsleute wollen Unterschriften sammeln und sich
organisieren - Es drohen Umsatzeinbußen bis zu 40
Prozent Bonn/Region. "Ziel kann nur sein, eine
Rücknahme der neuen Verträge zu erreichen oder eine
Verbesserung, so dass es sich rechnet, mit der Post AG zusammen
zu arbeiten", steht auf dem Blatt, das in zigfacher Kopie
im Herseler Pfarrheim ausliegt. Unterzeichnet hat es Rudolf Lui,
der in seinem Schreibwarengeschäft am Alfterer Hertersplatz
eine Postagentur führt. Gemeinsam mit den
Agenturinhabern Klaus Langenfeld aus Swisttal-Odendorf und
Dagmar und Walter Perschul aus Euskirchen-Kirchheim informierten
sie am Samstagnachmittag Kollegen aus der ganzen Region über
die neuen Verträge der Deutschen Post AG, die eine Senkung
der Pauschalvergütungen zwischen 20 und 40 Prozent
vorsehen. Zusammengebracht hat sie Detlef Classen, der das
Organisationsteam komplett macht. Rund 35 Postagentur-Nehmer
aus Bonn, Vorgebirge, Voreifel, Euskirchen, Siebengebirge und
Ahr sind zur Versammlung erschienen. Solche, die ihre Verträge
bereits unterschrieben haben. Die, die sie zurzeit vorliegen
haben. Und jene, die noch darauf warten. Gerechnet hatten die
Organi-satoren mit 50 bis 100 Teilnehmern und einem Vertreter
der Post. Der hatte zwar zugesagt, erschien aber nicht.
"Wundert Sie das?", fragt Rudolf Lui. Gekommen ist
dafür ein Vertreter des neuen Postagenturnehmerverbandes
(PAGD), um neue und umstrittene Passagen des so genannten
Partnervertrages und der Zusatzverträge mit Postbank und
Telekom zu erläutern. Klaus Langenfeld aus Odendorfer
hat seine Verträge auf dem Tisch: "So ein Ding
unterschreibe ich nicht. Für mich ist das reine
Erpressung." Einige sprechen von "Knebelverträgen".
Was nicht nur an der reduzierten Vergütung liegt.
Langenfeld stören noch ganz andere Dinge. Zum Beispiel,
dass die Verträge vorsehen, dass die Agenturinhaber
Postsendungen, Abrechnungs- und Buchungsunterlagen noch am
selben Tag bei der Post abliefern müssen. Alternativ könne
eine Abholung durch die Post vereinbart werden. "Aber was
das kosten soll, steht nicht im Vertrag", kritisiert
Langenfeld. Wenig Verständnis bringt der Odendorfer
dafür auf, dass eine Kündigung droht, falls der
Geschäftsbetrieb mehr als zwei Werktage pro Kalenderjahr
nicht "sichergestellt" gewesen ist. "Ich weiß
nicht, welche Kollegen montags oder mittwochs geschlossen haben,
dafür aber, dass man sich das in Zukunft abschminken kann."
Zurzeit unterhält die Post bundesweit rund 13 000
Filialen, darunter 7 500 Agenturen. Laut Post-
Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) ist sie aber nur zum
Betrieb von 12 000 Filialen oder Agenturen
verpflichtet. Paul Juchem aus Remagen-Unkelbach und Günther
Esser aus Bonn-Lengsdorf wollen dagegen noch abwarten: "Man
muss Schwarz auf Weiß sehen, was für einen
herauskommt". Für Juchem stellen die Neuerungen einen
"Knebelvertrag" dar, der nur "durch Personalabbau
kompensiert" werden kann. "Ich beschäftige vier
Teilzeitkräfte. Irgendwie muss ich das auffangen. Ich weiß
aber noch nicht wie." "Wer seinen Vertrag nicht
unterschreibt, erhält die Kündigung", ist für
Rudolf Lui klar. Was verberge sich sonst hinter der Formulierung
"Sollte es notwendig sein, werden neue Partner gesucht"?
Einen ersten Schritt habe die Deutsche Post AG schon
unternommen. "Diese versucht nun mit 1 000
Quelle-Shops die flächendeckende Versorgung der
Postschalterinfrastruktur aufrecht zu halten." Mit
E-Mails und Briefen an ihre Landtags- und Bundestagsabgeordneten
und Unterschriftenaktionen wollen sich die Postagenturnehmer
wehren. Allein 260 Unterschriften hat Klaus Langenfeld an einem
Tag gesammelt. Für den Städte- und Gemeindebund
Nordrhein-Westfalen können die Postagenturen "in einem
bestimmten Umfang durchaus eine Ergänzung zu herkömmlichen
Filialen" sein, erklärte Horst Gerbrand, Hauptreferent
beim Städte- und Gemeindebund, auf Anfrage des GA. Um so
aufmerksamer beobachtet Gerbrand die von der Deutschen Post AG
angestrebte Senkung der Pauschalvergütungen für
Postagentur-Inhaber, die sich in der Aufgabe von Agenturen
niederschlagen könnte. Von Sandra
Kreuer Kontakt und Infos für
Postagentur-Inhaber im Internet: E-Mail: dagmar@perschul.de
|