Agentur-Inhaber sprechen von Knebelverträgen

Datum: 28.02.02

Quelle: General-Anzeiger online, Regio Ticker

Post-Lizenznehmer aus Bonn und der Region trefen sich zur Krisensitzung - Die Geschäftsleute wollen Unterschriften sammeln und sich organisieren - Es drohen Umsatzeinbußen bis zu 40 Prozent
Bonn/Region.
"Ziel kann nur sein, eine Rücknahme der neuen Verträge zu erreichen oder eine Verbesserung, so dass es sich rechnet, mit der Post AG zusammen zu arbeiten", steht auf dem Blatt, das in zigfacher Kopie im Herseler Pfarrheim ausliegt. Unterzeichnet hat es Rudolf Lui, der in seinem Schreibwarengeschäft am Alfterer Hertersplatz eine Postagentur führt.
Gemeinsam mit den Agenturinhabern Klaus Langenfeld aus Swisttal-Odendorf und Dagmar und Walter Perschul aus Euskirchen-Kirchheim informierten sie am Samstagnachmittag Kollegen aus der ganzen Region über die neuen Verträge der Deutschen Post AG, die eine Senkung der Pauschalvergütungen zwischen 20 und 40 Prozent vorsehen. Zusammengebracht hat sie Detlef Classen, der das Organisationsteam komplett macht.
Rund 35 Postagentur-Nehmer aus Bonn, Vorgebirge, Voreifel, Euskirchen, Siebengebirge und Ahr sind zur Versammlung erschienen. Solche, die ihre Verträge bereits unterschrieben haben. Die, die sie zurzeit vorliegen haben. Und jene, die noch darauf warten. Gerechnet hatten die Organi-satoren mit 50 bis 100 Teilnehmern und einem Vertreter der Post.
Der hatte zwar zugesagt, erschien aber nicht. "Wundert Sie das?", fragt Rudolf Lui. Gekommen ist dafür ein Vertreter des neuen Postagenturnehmerverbandes (PAGD), um neue und umstrittene Passagen des so genannten Partnervertrages und der Zusatzverträge mit Postbank und Telekom zu erläutern.
Klaus Langenfeld aus Odendorfer hat seine Verträge auf dem Tisch: "So ein Ding unterschreibe ich nicht. Für mich ist das reine Erpressung." Einige sprechen von "Knebelverträgen". Was nicht nur an der reduzierten Vergütung liegt. Langenfeld stören noch ganz andere Dinge. Zum Beispiel, dass die Verträge vorsehen, dass die Agenturinhaber Postsendungen, Abrechnungs- und Buchungsunterlagen noch am selben Tag bei der Post abliefern müssen. Alternativ könne eine Abholung durch die Post vereinbart werden. "Aber was das kosten soll, steht nicht im Vertrag", kritisiert Langenfeld.
Wenig Verständnis bringt der Odendorfer dafür auf, dass eine Kündigung droht, falls der Geschäftsbetrieb mehr als zwei Werktage pro Kalenderjahr nicht "sichergestellt" gewesen ist. "Ich weiß nicht, welche Kollegen montags oder mittwochs geschlossen haben, dafür aber, dass man sich das in Zukunft abschminken kann." Zurzeit unterhält die Post bundesweit rund 13 000 Filialen, darunter 7 500 Agenturen. Laut Post- Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) ist sie aber nur zum Betrieb von 12 000 Filialen oder Agenturen verpflichtet.
Paul Juchem aus Remagen-Unkelbach und Günther Esser aus Bonn-Lengsdorf wollen dagegen noch abwarten: "Man muss Schwarz auf Weiß sehen, was für einen herauskommt". Für Juchem stellen die Neuerungen einen "Knebelvertrag" dar, der nur "durch Personalabbau kompensiert" werden kann. "Ich beschäftige vier Teilzeitkräfte. Irgendwie muss ich das auffangen. Ich weiß aber noch nicht wie."
"Wer seinen Vertrag nicht unterschreibt, erhält die Kündigung", ist für Rudolf Lui klar. Was verberge sich sonst hinter der Formulierung "Sollte es notwendig sein, werden neue Partner gesucht"? Einen ersten Schritt habe die Deutsche Post AG schon unternommen. "Diese versucht nun mit 1 000 Quelle-Shops die flächendeckende Versorgung der Postschalterinfrastruktur aufrecht zu halten."
Mit E-Mails und Briefen an ihre Landtags- und Bundestagsabgeordneten und Unterschriftenaktionen wollen sich die Postagenturnehmer wehren. Allein 260 Unterschriften hat Klaus Langenfeld an einem Tag gesammelt. Für den Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen können die Postagenturen "in einem bestimmten Umfang durchaus eine Ergänzung zu herkömmlichen Filialen" sein, erklärte Horst Gerbrand, Hauptreferent beim Städte- und Gemeindebund, auf Anfrage des GA. Um so aufmerksamer beobachtet Gerbrand die von der Deutschen Post AG angestrebte Senkung der Pauschalvergütungen für Postagentur-Inhaber, die sich in der Aufgabe von Agenturen niederschlagen könnte.
Von Sandra Kreuer
Kontakt und Infos für Postagentur-Inhaber im Internet: E-Mail:
dagmar@perschul.de