Deutsche Post will keine weiteren Schließungen

Datum: 31.01.03

Quelle: General-Anzeiger online, Regio Ticker

Agentur-Betreiber sind mit den neuen Verträgen nicht zufrieden - Der Odendorfer Klaus Langenfeld: "Ich werde auf keinen Fall unter-schreiben" - Vergütung soll um 30 Prozent sinken
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hein-Sieg-Kreis.
Dem Betreiber der Odendorfer Postagentur, Klaus Langenfeld, droht die Kündigung. Die Deutsche Post AG hat ihm einen neuen Vertrag mit einer Unterschriftsfrist von 14 Tagen - mittlerweile wurde sie bis zum 15. Februar verlängert - angeboten. "Ich werde diesen Vertrag auf keinen Fall unterschreiben.
Die neuen Bedingungen sehen eine um 30 Prozent reduzierte Vergütung vor, die Kündigungsfristen werden verkürzt", sagt Langenfeld. "Von meinen vier Halbtagsangestellten müsste ich mindestens zwei entlassen und meine Öffnungszeiten, die im Moment rund 55 Stunden in der Woche betragen, einschränken", berichtet er.
"Wir werden allen unseren bundesweit 7 500 Filialpartnern neue Verträge anbieten. Diese sehen eine leistungsorientierte Partnerschaft vor. Es gibt einen Pauschalbetrag, der die Dienstleitungen betrifft und einen variablen Teil. Der richtet sich nach dem aktiven Abschluss von zum Beispiel Giro-Konten und Festnetzverträgen oder dem Verkauf von Telefonkarten.
Jeder Partner hat selbst in der Hand, welchen Verdienst er macht", so die Pressestelle der Deutschen Post AG. Sollte ein Partner den Vertrag nicht eingehen, würde der Vertrag vom Betreiber oder der Post gekündigt, in der zweijährigen Kündigungsfrist würde zu den alten Konditionen weitergearbeitet. "Trotzdem werden wir die gesetzlich vorgeschriebene Filialpräsenz einhalten. Wir hoffen, dass dies mit unseren alten Partnern gelingt, wo gesetzlich erforderlich werden wir sonst neue Filialen anbieten", so die Deutsche Post AG weiter.
Eitel Sonnenschein liegt schon seit Ende vergangenen Jahres nicht mehr über den Betreibern der Postagenturen in der Region. Was weniger am Wetter als an den neuen Verträgen der Deutschen Post AG liegt. Diese sehen nicht nur eine um 30 Prozent reduzierte Vergütung vor, sondern auch eine verspätete Gehaltszahlung. Dies würde für einen Agenturbetreiber bedeuten, dass er beispielsweise seinen Lohn für den Monat Januar nicht im Februar, sondern erst im März erhalten würde.
Ein Dorn im Auge sind den Betreibern aber auch die Öffnungszeiten. Während "normale" Postfilialen von 9 bis 11 Uhr geöffnet haben und einen Tag in der Woche geschlossen sind, sollen Postagenturen bei einer Stunde Pause von 8 bis 18 Uhr ihre Türen für Kunden offen halten. Hinzu kommt, dass die bei einer Agentur aufgegebenen Briefe und Päckchen künftig nicht mehr von der Post abgeholt werden, sondern von den Betreibern zu einer Sammelstelle gefahren werden.
Mehr Arbeit für weniger Geld heißt die knappe Formel, auf die Agentur-Inhaber Rudolf Lui vom gleichnamigen Schreibwarengeschäft am Alfterer Hertersplatz die neuen Bedingungen bringt. "Das sind ganz harte Klopper", sagte er am Freitag. Lui, der eine Vollzeitkraft und vier Mitarbeiter auf 325-Euro-Basis beschäftigt, glaubt seine "Kräfte nicht mehr halten zu können", wenn bis Ende März die Verträge "ganz rigide" umgesetzt werden. Christina Stylianou, Pressesprecherin bei der Deutschen Post AG, bewertet die Verträge hingegen als Teil einer "leistungsorientierten Partnerschaft", die es Postagenturen ermögliche, "sehr hohe Margen" für den Abschluss von Girokonten oder - ganz neu - Unfallversicherungen einzustreichen. Angesichts einer "schwierigen Wirtschaftslage" müsse sich auch der Einzelhandel engagieren. Dazu gehörten auch Inhaber, die sich bislang "zurückgelehnt" hätten.
Bei allem Engagement sollen die Dienste der "gelben Post" (Briefe etc.), Telekom und Postbank nach wie vor nur ein "zweites Standbein" der Agenturen sein. Was laut Rudolf Lui überhaupt nicht zu verwirklichen ist. "Allein in der Weihnachtszeit standen die Leute mit ihren Päckchen und Karten bis in den Hof raus." Auch wenn sein bisheriger Vertrag für zwei Jahre gilt und er sich - theoretisch - auf keinen neuen Vertrag einließe, befürchtet er, dass "von heute auf morgen die Leute wegen irgendwelchen Kleinigkeiten gekündigt werden könnten".
Und wie entwickelt sich generell die Lage der Post in der Region? Pressesprecherin Stylianou: "Ich kann nur sagen, was heute ist, und nicht, was sich in den nächsten Monaten ändert." Demnach werde es in Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach und Swisttal keine Schließungen geben. Gerüchte um eine Auflösung der Zustellerverteilungsstelle an der Bonn-Brühler Straße in Alfter wies Stylianou zurück. Statt dessen plane die Post in der ersten Jahreshälfte eine Umgestaltung der Filiale im Rheinbacher Zentrum zu einer "Center-Filiale" mit Beratungstischen.
Von Sandra Kreuer und Marcel Wolbe