Milch für Martinswecken gesammelt

Datum: 04.12.02

Quelle: Blickpunkt, 49. Woche, 32. Jahrgang

KLASSENTREFFEN / Fröhliches Wiedersehen 50 Jahre nach dem Schulabschluss in Odendorf
Odendorf:
(art) Weißt du noch... Das waren wohl die Worte, die am meisten ausgesprochen wurden, als sich die
34 Ehemaligen der Katholischen Volksschule Odendorf 50 Jahre nach der Schulentlassung wiedersahen. Mit enormem organisatorischen Aufwand hatten Maria Michel und Hans Lutterbeck Adressen ausfindig gemacht, 48 Einladungen verschickt und das Treffen in der Gaststätte „Beim Büb“ organisiert.
Natürlich konnten sie alle noch Schillers Glocke herbeten. Das Auswendiglernen solcher Klassiker gehörte zum damaligen Standard-Unterrichtspensum. Aber auch an das Sammeln von Kartoffelkäfern oder das Theaterspielen erinnerten sich die Ehemaligen, die zum großen Teil in Odendorf und seiner näheren oder weiteren Umgebung geblieben sind. Nur wenige hat es nach Köln, Düren oder Wiesbaden verschlagen. Auch wie die Kinder in der sogenannten „armen Zeit“ vor 55 Jahren auf dem Dorf zu ihren Martinswecken kamen, hatten alle noch in lebhafter Erinnerung: Im ganzen Dorf und auch in Essig wurden die Zutaten wie Butter, Zucker, Mehl und Milch im ganzen Dorf gesammelt, damit die Wecken gebacken werden konnten. Den größten und schönsten Wecken machte immer „Strongs Albert“, wie Maria Michels noch wusste.
In der Odendorfer Volksschule mit insgesamt nur vier Räumen, die heute als Hauptgebäude der Grundschule noch existiert, wurden je zwei Klassen gemeinsam in einem Raum unterrichtet. Die Lehrer Dr. Johannes Pütz und Johannes Golla schafften das ganz gut, wie sich Maria Michels erinnert. Und wenn es mal nicht so gut aussah mit der Disziplin, wurden freigebig Strafarbeiten verteilt. Und da kam den Kindern ihr Erfindungsreichtum zu Hilfe: Geschrieben wurden die Strafarbeiten nämlich auf alte Tapetenrollen, weil für solchen „Unsinn“ keine teuren Schulhefte gekauft wurden. Der Lehrer zeichnete die Strafarbeit dann mit seiner Unterschrift am Ende ab. Die Kinder wiederum hoben die Rollen gut auf, schnitten die Unterschrift unten ab und legten sie dem Lehrer bei nächster Gelegenheit als neue Strafarbeit vor. „Das hat Lehrer Golla aber irgendwann gemerkt“, lacht Maria Michels. „Da hat er dann die ganze Strafarbeit durchgestrichen, und die Rolle war nicht noch einmal zu verwenden.“