Odendorfer Drogenhändlerin sagt nicht die Wahrheit

Datum: 12.06.02

Quelle: Generalanzeiger-Bonn - Regiosite

25-Jährige soll 24 Mal Kokain verkauft haben - Amtsgericht verurteilt sie zu 3 600 Euro Bußgeld
Rheinbach.
(lt) Mit der Wahrheit nehme sie es nicht so genau, sagte Richter Ulrich Schulte-Bunert am Mittwoch am Ende eines Drogenprozesses gegen eine 25-jährige Frau aus Odendorf.
Das Rheinbacher Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass die Metallarbeiterin im vergangenen Jahr insgesamt 24 Mal mit Kokain gehandelt hat. Dafür verurteilte der Richter sie zu einer Geldbuße in Höhe von 3 600 Euro.
"Sie haben immer nur so viel zugegeben wie gerade nötig", so der Vorwurf des Richters. Nach der Vernehmung eines 27-jährigen Zeugen aus Euskirchen stehe fest, dass die Frau nicht nur wenige Wochen, sondern wahrscheinlich über ein halbes Jahr lang Kokain verkauft habe. Außerdem besitze die junge Frau eindeutig ein "mangelndes Unrechtsbewusstsein", begründete Schulte-Bunert sein Urteil.
Die Beschuldigte hatte zuvor eingeräumt, im Mai und Juni 2001 mit Kokain gehandelt zu haben. Es sei dabei aber lediglich um geringe Mengen gegangen. Der 27-Jährige, der die Frau angezeigt hatte, konnte dem Gericht hingegen glaubhaft darlegen, dass er zwischen Januar und August seine Drogen regelmäßig von der Angeklagten bezogen hatte.
Grund für die Anzeige waren die finanziellen Probleme des Belastungszeugen: Als er das Kokain nicht mehr bezahlen konnte, habe die Drogenhändlerin ihm gedroht, die angeblich katastrophalen Familienverhältnisse beim Jugendamt zu melden. "Dann habe ich mich entschieden, die Frau anzuzeigen", sagte der Mann am Mittwoch vor Gericht.
Für Amtsrichter Schulte-Bunert war entscheidend, dass der Kläger durchweg bei seiner Aussage blieb, obwohl er sich damit selbst strafbar machte.
Gleichzeitig unterstrich Schulte-Bunert noch einmal, dass ein Teilgeständnis, wie es die Angeklagte ablegte, nicht für eine Strafmilderung ausreiche. "Leute wie Sie verlängern die Sucht anderer Menschen", sprach er der Frau ins Gewissen.